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Wer ist klimafreundlicher? Monsanto oder die Biokuh Elsa?

Mittwoch, 16. Dezember 2009 17:39

Landwirtschaftliche Flächen - Lebensmittel- und Energielieferant sowie CO2-Speicher (Foto: Thomas Schaack)

Landwirtschaftliche Flächen - Lebensmittel- und Energielieferant sowie CO2-Speicher (Foto: Thomas Schaack)

Zur Zeit wird vor allem der negative Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel thematisiert. Insbesondere die Tierhaltung und an ihrer Spitze die Rinderhaltung und die damit verbundenen Methanemissionen stehen im Brennpunkt der Kritik. Auffallend ist dabei, wie wenig differenziert die Debatte ist. Dies ist auch in Kopenhagen zu beobachten. Auch dort wird vermittelt, dass der Verzehr von Fleisch einer der größten klimapolitischen Sünden ist und der Super-GAU des persönlichen Essverhaltens.

Dabei wird überhaupt nicht thematisiert, welche Art von Tierhaltung und Agrarwirtschaft klimaschädlicher ist. Es wird zum Beispiel nicht unterschieden zwischen der intensiven Rindermast in Texas mit Bewässerungslandwirtschaft und der Haltung von Rindern bei Nomaden in den weiten Steppen der Mongolei oder in Ostafrika, die ökologisch wertvolle Weideflächen nutzen, die für den Ackerbau völlig ungeeignet sind. Oder soll die Geflügel- und Schweinemast in den Niederlanden oder in Niedersachsen, die nur mit dem Import riesiger Mengen an Eiweißfuttermitteln aus Südamerika einhergeht und für die riesige wertvolle Savannen und Regenwaldflächen geopfert werden, klimafreundlicher sein als die Hühnerhaltung mit einheimischen Futtermitteln aus dem ökologischen Landbau?

Es werden Äpfel und Birnen verglichen. Für eine seriöse Debatte ist wichtig, dass der gesamte Produktionszyklus mit all den eingesetzten Produktionsmitteln betrachtet wird – vom Treibstoff, erdölbasiertem Stickstoffdünger bis hin zum abgeholzten Regenwald für Sojaplantagen. Und dieses Denken in Produktionszyklen und Kreisläufen zeigt uns zum Beispiel, entgegen den Behauptungen vieler Agrarwissenschaftler, dass die Milch der 5000-Liter-Kuh Elsa, die auf einem Biobauernhof lebt und im Sommer auf die Weide darf, klimafreundlicher erzeugt wird als die Milch einer 10000-Liter-Kuh mit einem hohen Einsatz an Soja und Getreide.

Auch bei der Klimakonferenz und gerade bei den Lösungsansätzen zur Vermeidung des Anstiegs von Treibhausgasen zeigt sich einerseits die gesamte Komplexität der Materie und andererseits die Begrenztheit einfacher Lösungen. Bei dem Besuch von zwei Side-Events innerhalb von einer Stunde gestern im Bella Center wurde dies deutlich.

So berichtete ein Vertreter des internationalen Verbands der biologischen Landbauverbände IFOAM sehr differenziert, welche Beiträge der ökologische Landbau zur Lösung der Welternährungsproblematik und zur Treibhausgasreduzierung und Sequestrierung leisten kann. Je ausgefeilter die Praxis des ökologischen Landbaus ist, umso höher ist der Beitrag des ökologischen Landbaus zum Klimaschutz einzuordnen.

Und auf der anderen Seite versuchen einige Staaten auf der Klimakonferenz ein plumpes Greenwashing. Sie wollen, dass die Flächen, die zuvor für den Soja -und Palmölanbau gerodet wurden als Treibhausgassenken anerkannt werden. In dieses Bild passt auch, dass nicht nur Staaten sondern auch berühmte transnationale Konzerne versuchen, auf den klimafreundlichen Zug aufzuspringen.

Die Kopenhagener Meerjungfrau - im Original relativ unverbittert ... (Foto: Andreas Köckeritz/pixelio.de)

Die Kopenhagener Meerjungfrau - im Original relativ unverbittert ... (Foto: Andreas Köckeritz/pixelio.de)

Monsanto möchte seine gentechnisch veränderten Sojasorten als eine Lösung für den Klimaschutz anbieten und propagiert für Südamerika die Ausdehnung des Anbaus von gentechnisch veränderter Soja, um Biodiesel herzustellen. Dabei hat gerade dort die Ausdehnung des Sojaanbaus zu einer starken Vernichtung von natürlichen Flächen und zu Erhöhung der Treibhausgasemissionen beigetragen. Dies alles versucht Monsanto mit Hilfe des „Round Table on Responsible Soy“ als besonders nachhaltig zu verkaufen.

Für dieses Verhalten hat Monsanto gestern in einer Pressekonferenz von Friends of the Earth International und Attac Dänemark den ersten Preis der „verbitterten“ Meerjungfrau von Kopenhagen bekommen. 2. Sieger wurde übrigens der Ölkonzern Shell, auch einschlägig bekannt für eine “nachhaltige” Erdölförderung. Urteilen sie nun selber, wer klimafreundlicher ist: die Kuh Elsa oder Monsanto.

(Dr. Bernhard Walter)

Thema: Allgemein, Energie, Klimagerechtigkeit, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Johannes Kuestner