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Nafisa Goga d’Souza: Konsumismus ist keine Option für die Zukunft

Mittwoch, 16. Dezember 2009 20:00

Nafisa Goga d’Souza (Foto: Brot für die Welt)

Nafisa Goga d’Souza (Foto: Brot für die Welt)

Das Indian Network on Ethics and Climate Change (INECC) wurde Mitte der 1990er Jahre als loses Netzwerk von Organisationen gegründet, zu einer Zeit also, als das Thema noch keine große Rolle in der allgemeinen politischen Debatte spielte. Der wichtigsten indischen klimapolitischen Lobby gehören heute etwa 100 Mitglieder an.

INECC wurde gegründet, um das Thema Klimawandel und insbesondere dessen Folgen für lokale Gemeinschaften aufzuarbeiten, diese für die kommenden Probleme zu sensibilisieren und durch die Förderung von klimafreundlichen Technologien einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Die indische Menschenrechtlerin und Ökologin Nafisa Goga d’Souza arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der sozialen Arbeit und hat zusammen mit ihrem Mann 1996 das Laya Ressource Center gegründet, das sich vor allem der Arbeit mit den indischen Ureinwohnern verschrieben hat. Die Mutter zweier erwachsener Söhne und Muslima engagiert sich zudem stark im Bereich des Weltkirchenrates.

Indien war weltweit einer der ersten Staaten, der 1976 die Verpflichtung zum Umweltschutz in der Verfassung festschrieb. Bis zum Jahr 2020 will das Land den so genannte Emissionsfaktor um 20 bis 25 Prozent absenken, erklärte Umweltminister Jairam Ramesh Anfang Dezember vor dem Parlament in Neu Delhi.

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Fragen an: Nafisa Goga d’Souza

F: Welche Folgen hat der Klimawandel für Indien?

A: In Indien bedrohen steigende Temperaturen die Lebensgrundlage von 600 Millionen Armen. Wenn die globale Erwärmung weiter geht, droht eine massive Verschärfung von Hunger und Armut, da die Getreideproduktion aufgrund der steigenden Temperaturen zurückgehen wird.

F: Was können die Deutschen tun, um Sie bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen?

A: Die Menschen sollten sensibler werden, hinsichtlich Ihres Verhaltens und was das für Folgen für Andere hat, insbesondere die Armen. Der heutige Lebensstil lässt sich nicht fortführen. Der Konsumismus ist keine Option für die Zukunft.

F: Was wird am Ende bei den Verhandlungen in Kopenhagen herauskommen?

A: Es wird so viel über leadership geredet. Bislang hat man davon bei Obama in der Klimapolitik noch nicht viel gesehen. Wir hoffen, er macht es besser als sein Vorgänger und schlägt einen anderen Weg ein.

Thema: Armut | Kommentare (0) | Autor: Norbert Glaser

Siddharth d’Souza: Klimaschutz für die Adivasi

Montag, 14. Dezember 2009 20:00

Siddharth-d'Souza aus Andhra Pradesh (Foto: Brot für die Welt)

Siddharth-d'Souza aus Andhra Pradesh (Foto: Brot für die Welt)

Laya ist eine indische non-profit Dachorganisation, die die Ureinwohner des Landes bei der Nahrungssicherheit, Gesundheitsvorsorge, Ausbildung, Entwicklung etc. im Bundesstaat Andhra Pradesh unterstützt. Seit fünf Jahren arbeitet Laya mit den “Adivasi“ auch in Fragen der Energie und des Klimas zusammen.

1996 gegründet, hatten die Initiatoren von Anfang an das Ziel, die in vielerlei Weise diskriminierten Völker – im innerindischen Sprachgebrauch als „Stämme“ bezeichnet – darin zu fördern, ihren eigenen Weg zu gehen. Heute vertritt Laya die Ansicht, dass wir alle von den Adivasi lernen könnten, schonender mit dem „blauen Planeten“ umzugehen.

Siddharth d’Souza hat in Den Haag (Niederlande) „Alternative Entwicklung“ studiert und davor und danach in verschiedenen indischen Organisationen erste Erfahrungen in der Sozialarbeit gesammelt. Er koordiniert heute im Bereich der Gemeindearbeit von Laya die Einführung von erneuerbarer Energie in abgelegenen Stammesgebieten im Bundesstaat Andhra Pradesh.

Andhra Pradesh hat etwa so viele Einwohner wie die Bundesrepublik, umfasst aber nur zwei Drittel der Fläche. Der viertgrößte indische Staat weist sehr unterschiedliche klimatische Temperatur- und Niederschlagszonen auf. Der Anteil der einheimischen Stammesbevölkerung liegt mit 6,6 Prozent unter dem gesamtindischen Durchschnitt von 8,2 Prozent, insgesamt mehr als 30 verschiedene Völker.

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Fragen an: Siddharth d’Souza

F: Welche Anzeichen gibt es für einen Klimawandel in Ihrer Heimat?

A: Die traditionell lebenden Stämme können sich nicht länger auf ihre Erfahrungen verlassen. Es regnet seltener und weniger, aber wenn es regnet, dann richtig stark. Die Niederschläge reißen den Boden mit sich, ohne die Grundwasservorräte aufzufüllen.

F: Wie können wir die Adivasi bei der Anpassung an die Klimaveränderungen unterstützen?

A: Der Lebensstil muss sich ändern. Das gegenwärtige System funktioniert nicht. Der CO2-Ausstoß der Industriestaaten muss deutlich zurückgehen. Das ist auch eine Frage der Moral.

F: Was erwarten Sie von Kopenhagen?

A: Wenn ich schwer erkrankt bin, kann ich nicht sagen: Tut mir leid. Ich nehme die Medizin nicht, die schmeckt bitter. Vielleicht nehme ich sie morgen, oder auch erst übermorgen, oder ich weiß nicht wann. Das klappt nicht. Wenn ich schwer krank bin, führt an der Einnahme der Medizin kein Weg vorbei.

Thema: Anpassung | Kommentare (0) | Autor: Norbert Glaser

Tanz die Zukunft!

Sonntag, 13. Dezember 2009 12:06

Die Verhandlungen in Kopenhagen werden ereignisreicher. Einige Länder senden positive Signale für ambitionierte Verpflichtungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen. Sogar erste Zugeständnisse für die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländnern kommen auf den Tisch.

Doch auch wenn bei den Verhandlungen noch ein weiter Weg gegangen werden muss, ist schon zur Halbzeit sicher, dass die 15. Conference of the Parties (COP15) ein besonderer Gipfel ist. Diese Besonderheit ist aber (noch) nicht durch die Verhandlungen begründet, sondern durch das Umfeld, in dem sie stattfinden.

Ein Eisbär wandert durch das Konferenzzentrum und fordert Klimaschutz.

Ein Eisbär wandert durch das Konferenzzentrum und fordert Klimaschutz. (Foto: J. Küstner)

Die Verhandlungen werden nicht hinter hohen Zäunen fern ab der Öffentlichkeit geführt. Mehr als zwei Drittel der Konferenzteilnehmer, die in diesen Tagen das Bella Centre in Kopenhagen bevölkern, sind Beobachter und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. Und die beobachten nicht nur äußerst kritisch den Verlauf der Verhandlungen, sondern bringen auch eine lebhafte Kreativität in das Verhandlungszentrum, die man bei einer UN-Konferenz in diesem Maße nicht erwarten konnte. Wenn hier die verhandlungsführenden Delegationsmitglieder durch das Bella Centre gehen, begegnen sie mal einem Eisbären, der sie zum Klimaschutz auffordert. Dann werden sie von neongrünen Außerirdischen befragt, die das Kongresszentrum auf der Suche nach Klima-Vorreitern durchstreifen. Ein Stück weiter begegnen die Politiker menschlichen Uhren, die deutlich machen: “Es ist Zeit für Klimagerechtigkeit”.

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Kundgebung einer NRO im Bella Centre. (Foto: J. Küstner)

Sprechchöre von Jugendinitiativen, Kerzenmahnwachen und Menschenkreise, das alles gibt es nicht nur in der Innenstadt von Kopenhagen, sondern auch direkt im Bella Centre. Das Engagement der zivilgesellschaftlichen Bewegungen erreicht die politischen Verteter nicht nur in Form von Unterschriften und Stellungnahmen. Sie können während der gesamten Konferenz auch sehen und hören, was von Ihnen gefordert wird. Wenn sich eine Delegation trotz all dieser Orientierungshilfen und Motivationsunterstützungen in den Verhandlungen rückschrittlich und klimaschädlich verhält, hat sie gute Chancen am Abend öffentlich zum “Fossil des Tages” gekürt zu werden.

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Mit viel Kreativität wird eine lebendige Demonstration gestaltet. (Foto: J. Küstner)

Durch den Klimawandel wird die (demokratische) Gesellschaft vor zwei soziale Herausforderungen gestellt. Erstens muss sie Lust auf Veränderungen und Freude am Handeln entwickeln. Und zweitens muss sie politischer werden, um die Ausrichtung auf das Wohl der Allgemeinheit erkennen und artikulieren zu können. Die vielseitigen, kreativen Aktionsformen, die hier in Kopenhagen auf die Beine gestellt werden, schaffen beides. Sie verbinden Lebensfreude und Kreativität mit bewusster politischer Partizipation.

Auch die Demonstration, die am Sonnabend mit 30.000 (Polizeiangaben) bis 100.000 (Veranstalterschätzung) Beteiligten von der Innenstadt zum Bella Centre zog, war von kreativen, bunten und fröhlichen Protestformen geprägt. Etliche Clowns baten die Demonstranten, die Polizisten anzulächeln, damit sie sich “trotz ihres schwierigen Jobs schön fühlen”. Viele Gruppen machten Musik mit eigenen Instrumenten oder hatten Musikwagen. So hielten sich viele Demonstranten während des mehrstündigen Weges nach Sonnenuntergang warm, indem sie einfach ausgelassen und fröhlich tanzten.

Video: Auf der Demo wird getanzt!

Video: Auf der Demo wird getanzt! (Video: J. Küstner)

Bei der Klimakonferenz eine so starke, gut organisierte, gut gelaunte und kreative zivilgesellschaftliche Bewegung zu erleben, macht Mut, dass wir die Herausforderungen, die durch den notwendigen Umweltschutz sozial auf uns zukommen für eine positive gesellschaftliche Weiterentwicklung nutzen können. Mehrere Delegierte bestätigten, dass eine COP noch nie so offen, mit einer so großen Nähe zwischen Delegierten und Beobachtern war (morgens stehen Delegierte und Beobachter gemeinsam in der Schlange vorm Sicherheitscheck). Insofern macht es auch Hoffnung, dass zumindest die dänischen Gastgeber der Klimakonferenz scheinbar erkannt haben, dass man den Klimawandel nicht ohne und schon gar nicht gegen die Bürger verhandeln kann.

(Johannes Küstner)

Thema: Demonstration, Klimakonferenz | Kommentare (3) | Autor: Johannes Kuestner