Tag-Archiv für » Internationaler Aufruf «

Und Gott beginnt zu lächeln

Montag, 14. Dezember 2009 0:26

Desmond Tutu auf der Countdown-to-Copenhagen-Bühne in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Desmond Tutu auf der Countdown-to-Copenhagen-Bühne in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Es war ausgesprochen kalt am Morgen des 13. Dezember, als wir uns mit dem Team von “Brot für die Welt”, EED und der nordelbischen Kirche zum Kopenhagener Rathausplatz aufmachten, um bei der Übergabe von über 512.894 Unterschriften des Countdowns to Copenhagen dabei zu sein. 

Beim Teammeeting am Morgen sind wir die Entwicklung der letzten Tage kurz im Überblick durchgegangen. Trotz ermutigender Zugeständnisse ist doch manchmal nicht wirklich erkennbar, ob es wirklich allen Verhandlern darum geht, entschiedene Maßnahmen zur massiven Reduzierung der CO2-Emissionen zu treffen, oder ob es eher ums Taktieren geht und darum, wie sich manche Länder so geschickt wie möglich aus der Affäre ziehen. Entsprechend sind auch unsere Gespräche auf dem Weg vom Hotel zum Event: Meine Güte, wir wissen doch alle, was zu tun ist, und auch die meisten Verhandlungsführer wissen, was auf dem Spiel steht, und sagen auch, dass sie es wissen. Warum passiert dennoch so wenig?

Schließlich kommen wir auf dem Rathausplatz an, wo es bereits brechend voll ist und das Frieren und die zweifelnden Gedanken des Morgens sind irgendwie nicht mehr präsent. Es herrscht eine Bombenstimmung. Verschiedene katholische und evangelische Hilfswerke aus Europa haben im großen Stil Basis mobilisiert. Menschen aus aller Herren Länder, vor allem unheimlich viele junge Leute, werden von der Bühne aus fulminant begrüßt und willkommen geheißen.

Zeugnisse von Schwestern und Brüdern aus Bolivien, aus Indien, aus Äthiopien, aus Kamerun und aus Norwegen machen einmal mehr deutlich, dass es beim Klimawandel nicht um irgendwelche komischen Kapriolen geht, die das Wetter schlägt und die man sich befremdet und distanziert, aber unbeteiligt anschaut.

Sondern hier geht es schlicht um die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Menschen, denen wegen massiven  Gletscherschwundes das Wasser ausgeht, Menschen in Indien, deren Hab und Gut, deren Ernte massiven Fluten zum Opfer fällt, Menschen die an immer größerer Trockenheit leiden oder auch Menschen, deren Fischgründe aufgrund der Meereserwärmung verschwinden.

Aber trotz dieser düsteren Aussichten ist die Stimmung auf dem Rathausplatz alles andere als düster und depressiv. Vielmehr wird von der Bühne verkündet: Es ist wichtig, dass ihr da seid. Und ihr wisst, was ihr zu tun habt? Und ihr werdet euren Regierungen Druck machen, damit sie ein weitgehendes und rechtlich bindendes Abkommen schließen, das hilft, den Temperaturanstieg auf 2 Grad zu begrenzen? Worauf ein „Yeah!!“ über den Platz tost.

Augustina Njamnshi aus Kamerun sagt: Lasst uns hier in Kopenhagen Geschichte schreiben, damit wir hinterher sagen können: Wir haben die Welt verändert.

Desmond Tutu bei seiner Rede in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Desmond Tutu bei seiner Rede in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Auch Erzbischof Desmond Tutu macht deutlich, wie wichtig in dem Prozess wir alle sind. Dieser mit seinen 78 Jahren unglaublich agile und charismatische Mann hält eine fesselnde Mischung aus Predigt, Bühnenshow und Tanz.

Er erinnert daran, dass Menschen auf den Straßen das Apartheidsregime haben verschwinden lassen.
Er erinnert daran, dass Menschen auf den Straßen die Berliner Mauer zu Fall gebracht haben.

Er fragt: Glaubt ihr, dass ihr das Recht auf eurer Seite habt?
Yeah!!!
tost es über den Platz.
Glaubt dass ihr Gerechtigkeit auf eurer Seite habt? Yeah!!!
Glaubt ihr, dass ihr Gott auf eurer Seite habt? Yeah?
Ja
, sagt Tutu, Gott ist auf unserer Seite, komm schon Gott, tu was! Aber Gott sagt: Ich möchte, dass IHR meine Partner seid und EUCH einsetzt!
Und Tutu fährt fort: Wie ist das denn bei Gott? Wenn Gott herunterschaut und Gaza sieht, dann weint er, wenn er Darfur sieht, dann weint er, wenn er Simbabwe sieht, dann weint er, wenn er Afghanistan sieht, dann weint er. Aber dann, dann sieht er auf einmal Kopenhagen, und er sieht euch alle, wie ihr euch einsetzt, und dann kommt wieder ein Lächeln auf Gottes Gesicht, und Gott freut sich über euch alle, und ein kleiner Engel kommt und wischt Gottes Tränen ab.

512.894 Unterschriften sind gesammelt worden.  Die sechs Ziffern dieser Zahl sind auf je einen großen roten Ball gedruckt, die Bälle werden dann zunächst durch die Menge auf dem Platz gegeben und auf der anderen Seite, gegenüber der Bühne auf sechs Säulen gesetzt.

CIMG6972

Desmond Tutu tanzt mit Outlandish. Zum Abspielen klicken. (Video: J. Küstner)

Erzbischof Tutu überreicht dann symbolisch die Unterschriften an Generalsekretär Yvo de Boer. Dieser spricht davon, dass wir derzeit wohl eine finanzielle und eine ökonomische Krise haben mögen, aber das eigentliche Problem, das uns an der Durchsetzung eines wirksamen Klimaschutzabkommens hindert, ist eine moralische Krise.
Und er schließt: Ihr müsst euren Regierenden deutlich sagen, was für ein Klimaabkommen ihr haben wollt. Das ist unsere einzige Chance.

Dann rief die Menge „Yes, we can!“ und weiter ging es mit Musik der Band „Outlandish“, der Platz ging allmählich in Tanz über, wie auch Tutu auf der Bühne.

So kann Engagement für den Klimawandel Spaß machen, Danke an die vielen, vielen überwiegend Jugendlichen  aus ganz Europa! Wer noch immer pauschal sagt, Jugendliche seien unpolitisch, weiß nicht wovon er spricht.

(Eckhard Röhm)

Ein Video von der Überreichung der Stimmen durch Desmond Tutu an Yvo de Boer gibt’s hier zu sehen:

Thema: Allgemein, Demonstration, Klimagerechtigkeit | Kommentare (0) | Autor: Eckhard Roehm

Time is running out

Montag, 17. August 2009 17:41

Countdown to CopenhagenIm Dezember 2009 wird in Kopenhagen der nächste “Weltklimagipfel” stattfinden. Die Kirchen beobachten und begleiten dieses politische Ereignis, das von herausragender Bedeutung für eine gerechte Gestaltung einer Weltpolitik in den kommenden Jahren sein wird. Sie treten zugleich offensiv für ein deutliches Umsteuern der Politik ein, die nachhaltiger, gerechter und zielstrebiger die Energiepolitik und alle damit zusammenhängenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen angeht.

In den kommenden Monaten werden hier von einem Team von “Brot für die Welt”, dem “Evangelischen Entwicklungsdienst (eed)” und der Nordelbischen Kirche  Beiträge zur aktuellen Entwicklung eingestellt. Schauen Sie auf jeden Fall wieder rein – es lohnt sich!Informationen und die Möglichkeit, sich an dem “Internationalen Aufruf der Kirchen für Klimagerechtigkeit” zu beteiligen erhalten Sie auch unter www.countdowntocopenhagen.de.

Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Thomas Schaack