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Sagt es allen weiter………

Freitag, 11. Dezember 2009 12:32

Siegerehrung beim Fossil of the day: Deutschland spielt in der 1. Liga (Foto: Jan Christensen)

Siegerehrung beim Fossil of the day: Deutschland spielt in der 1. Liga (Foto: Jan Christensen)

Deutschland hat den 2. Platz bei der Verleihung des „Fossils des Tages“ erhalten, noch vor Neuseeland. In Galagarderobe und mit Lifeunterhaltung werden während der Verhandlungen die größten Klimasünder des Tages besungen, das Publikum fällt in den Refrain zu Frank Sinatras „New York, New York“ mit „sagt es allen weiter“ ein. Den Preis hat Deutschland sein Bundestagsbeschluss vom 3. Dezember 2009 eingebracht, der eine Anrechnung der Finanzmittel für die Anpassung an den Klimawandel und die Vermeidung von Emissionen in Entwicklungsländern auf die Entwicklungshilfe zulässt.

Dies entrüstet die Entwicklungsländer, denn mit der Millenniumserklärung ist ihnen die Halbierung der Armut in ihren Länder bis 2015 versprochen worden. Deutschland unterstützt dieses Ziel mit 0,38% des Bruttosozialprodukts und hat bis 2015 eine weitere Steigerung auf 0,7% anvisiert. Von diesem Kurs rückt der Bundestagsbeschluss nun ab. Statt für Gesundheit, Bildung und Nahrungssicherheit fließt das zusätzliche Geld in Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern. Diese Maßnahmen, da ist man sich einig, werden von den Industrieländern unterstützt werden müssen als Teil ihrer gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung für den Klimawandel. Nun wird die gleiche Münze zweimal gezählt:  zum Einen als Entwicklungshilfe und zum Anderen als Teil der Verpflichtungen zum Klimaschutz unter dem Kyoto Protokoll. Wird der politische Wille zur Minderung der Armut jetzt unterhöhlt von Sparzwängen?

Für Zivilgesellschaft und auch Regierungen in Entwicklungsländern ist Entwicklungshilfe oder Klimafinanzierung nicht nur eine Frage des Etiketts. Entwicklungshilfe wird teils als Geschenk an die ärmsten Länder vergeben, teils als Kredit, der mit Auflagen und Konditionen verknüpft ist, der die wirtschaftspolitische Gestaltungskraft der Entwicklungsländer einschränkt.

Die Entwicklungsländer haben sich in den Klimaverhandlungen sehr dafür eingesetzt, dass die Industrieländer – als Hauptverursacher des bisherigen Klimawandels – eine Verpflichtung gegenüber den Entwicklungsländern haben, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Die Entwicklungsländer bringen sich in die Ausgestaltung neuer Institutionen ein, wie dem demnächst in Bonn ansässigen Anpassungsfonds, die den Bedürfnissen und Anforderungen der  Entwicklungsländer gerecht werden soll, ohne ihre Souveränität einzuschränken.

Sonderpreis für Frankreich für besondere Leistungen (Foto: Jan Christensen)

Sonderpreis für Frankreich für besondere Leistungen (Foto: Jan Christensen)

Doch es gibt auch andere Preise. Zum zweiten Mal überhaupt wird der „Lichtstrahl des Tages“ verliehen. Frankreich wird für seinen Einsatz beim Kampf gegen „Schlupflöcher“ ausgezeichnet. Österreich, Schweden und Finnland hatten es geschafft, die EU Position zu beeinflussen und Wälder als Kohlestoffspeicher anrechnen zu lassen auf die Emissionsminderungsziele der EU. Frankreich fordert den Europarat auf, diese Position zu überdenken. Auch für morgen werden wieder Helden und Fossilien des Tages gesucht. Welche Helden wohl Kopenhagen haben wird, fragen sich hier viele.

Einen launigen Film von der  Preisverleihung zeigt CAN TV:

Ruth Irlen

Thema: Demonstration | Kommentare (0) | Autor: Ruth Irlen

Am Pranger

Mittwoch, 30. September 2009 12:24

In früheren Zeiten, als schändliches Verhalten noch keine rein private Angelegenheit war, stellte man die Menschen an den „Pranger“ oder einen „Schandpfahl“. Noch heute finden sich in manchen Städten solche Orte, an denen Menschen bloßgestellt, entehrt und vorgeführt worden sind. Was das bedeutete, kann man dem entsprechenden Wikipedia-Artikel entnehmen:

Die Strafe bestand vor allem in der öffentlichen Schande, welche der Verurteilte zu erdulden hatte und die vielfach ein „normales“ Weiterleben in der Gemeinschaft unmöglich machte oder sehr erschwerte. Auch war der Bestrafte den Schmähungen der Passanten ausgesetzt, die für ihn nicht ungefährlich waren.

Vollkommen zu Recht gibt es so etwas heute nicht mehr. Aber gibt es immer noch Leute, deren seltsames Betragen die (globale) Öffentlichkeit beschäftigen sollte. Dazu werden Preise vergeben, die an das Licht der Welt bringen, was aus lauter Scham glaubte dort nicht auftauchen zu müssen. Bekannt sind die „Goldene Himbeere“ für die schlechtesten Filme, der „Preis der beleidigten Zuschauer“ für außergewöhnlich Negativ-Leistungen im Fernsehen oder die „Gurke des Tages“ der TAZ.

Seit Jahren wird auch der „Fossil of the day“ von Klimaschutzgruppen für unterdurchschnittliches Versagen (meist haben wir es sonst nur mit durchschnittlichem Versagen zu tun) einzelner Regierungen vergeben. Gestern erwischte es (wieder mal!) die Kanadier, die bei den letzten Klimaverhandlungen in New York glaubten, etwas anderes vorhaben zu sollen. Als Quittung gab’s Donuts, deren Verzehr sicher auch „nicht ungefährlich“ sein dürfte. Aber schauen Sie selbst!

Thema: Allgemein, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Thomas Schaack