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Das Ende der Welt, wie wir sie kannten.

Samstag, 19. Dezember 2009 15:00

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Die Verhandelnden haben in Kopenhagen eine historische Chance verschlafen. (Foto: Bulkacz)

Sonnabend, 19.12.2009, 14:33 Uhr. In Kopenhagen läuft gerade die letzte Plenarsitzung. Innerhalb der nächsten Stunden ist die Klimakonferenz beendet. Das Ergebnis: Ein katastrophales Politikversagen, das viele Menschenleben kostet. Die Orientierung auf kurzfristige wirtschaftliche Interessen, anstatt auf unsere Überlebensfähigkeit, hat zum Scheitern der Konferenz geführt. Mit der Kopenhagener Absichtserklärung wird die Begrenzung der Temperaturerhöhung um höchstens 2 Grad Celsius nicht erreicht. Die Absichtserklärung wurde nicht durch einen transparenten Verhandlungsprozess erarbeitet. Sie ist nicht fair, nicht ambitioniert und nicht rechtlich verbindlich. Insbesondere die Industrie- und Schwellenländer haben noch nicht verstanden, dass Inseln des Wohlstands in einem Meer des Elends nicht überleben werden.

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Außerirdische suchen auf der Konferenz vergeblich nach Vorbildern. (Foto: J. Küstner)

Wir können hoffen, dass dieser Schock die Welt aufrüttelt und dass im nächsten Jahr zielführend weiterverhandelt wird. Vielleicht wird Mexiko im Dezember 2010 bei der COP 16 ein besserer Gastgeber sein als Dänemark es war. Vielleicht wird es Mexiko besser gelingen, das gewachsene Misstrauen zwischen Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern durch einen transparenteren Prozess zu überwinden. Seit am Mittwoch immer wahrscheinlicher wurde, dass diese Klimakonferenz scheitert, begannen Beobachter über mögliche Veränderungen des Verhandlungsprozesses zu diskutieren. Doch das historische Politikversagen in Kopenhagen bedeutet nicht nur, dass das Verhandlungsprozedere verbessert werden muss. Es zeigt auch an, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass die Lösungen für unsere Überlebensfragen von der Politik kommen werden.

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Eine Mutter demonstriert in Kopenhagen für ihr Kind. (Foto: J.Küstner)

Der Klimawandel führt zum „Ende der Welt, wie wir sie kannten“ (vgl. Welzer & Leggewie, 2009). Unsere Art zu leben wird sich deutlich verändern. Energieverschwendung und materiellen Überfluss wird es in der neuen Welt so nicht mehr geben. Doch auch die Demokratie wird sich dadurch verändern. In Kopenhagen haben Politiker immer wieder auf die entscheidende Rolle der Wirtschaft für den Aufbau einer Niedrig-Emissions-Gesellschaft hingewiesen. Die Bedeutung der Unternehmen ist nicht von der Hand zu weisen. Aber dafür, dass die Politik den Unternehmen endlich Leitplanken setzt, die einen solchen Umbau ermöglichen und dafür, dass die notwendigen Veränderungen sozial gerecht gestaltet werden, braucht es vor allem eine Demokratisierung unserer Gesellschaft. Die Zivilgesellschaft kann durch eine Politisierung von persönlichem Engagement, Lösungen hervorbringen und Druck aufbauen, damit auch Akteure in Politik und Wirtschaft ihre erforderliche Verantwortung für den Wandel übernehmen.

Bereits im vergangenen Jahr haben „Brot für die Welt“, der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und der BUND die notwendige gesellschaftliche Debatte für einen Kurswechsel auf Zukunftsfähigkeit angestoßen (www.zukunftsfaehiges-deutschland.de). Zahlreiche Initiativen, Verbände und nicht zuletzt die evangelische Kirche in Deutschland haben diese Debatte aufgegriffen und sind auf dem Weg, selbst Akteure des Wandels zu werden. In dem Projekt „Zukunft fair teilen“ gibt es umfangreiche Unterstützungen und Anregungen für diesen Weg: Wir können unsere christliche Verantwortung, Gottes gute Schöpfung zu bewahren, Wirklichkeit werden lassen. Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben. Gehen Sie mit! Desmond Tutu hat es aus christlicher Perspektive in Kopenhagen klar gemacht: „Gott kann diese Welt retten. Ja, Gott kann auch das Klima schützen. Aber er will, dass wir dabei mitarbeiten.“Zukunft

Desmond Tutu predigte Hoffnung: „Wir sind in Südafrika marschiert und haben die Apartheid überwunden. Wir sind in Berlin marschiert und haben die Mauer zu Fall gebracht. Wir marschieren in Kopenhagen und erreichen Klimagerechtigkeit!“ In Kopenhagen ist es noch nicht gelungen. Dafür muss der Marsch noch größer werden. Nicht unbedingt auf der nächsten Klimakonferenz, sondern vor allem in unseren eigenen Ländern. Hier müssen wir Veränderungen anstoßen. Und das braucht die Beteiligung aller. Wenn bei Demonstrationen für die Bewahrung der Schöpfung nicht nur Tausende, sondern Millionen auf die Straße gehen, dann bringen wir auch die Mauer der Klimaungerechtigkeit zu Fall.

Wer glaubt, er sei zu klein, um etwas zu bewegen, hat noch nie eine Nacht mit einer Mücke verbracht. Für ein zukunftsfähiges Deutschland und Klimagerechtigkeit brauchen wir einen Mückenschwarm.

Johannes Küstner

Thema: Allgemein, Demonstration, Klimagerechtigkeit, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Johannes Kuestner

Bundestagswahl als Klimawende?

Mittwoch, 16. September 2009 15:53

Wolkenfabrik

Der Klimawandel mobilisiert – auch in Bonn. Über 100 Zuhörerinnen und Zuhörer fanden den Weg in den Uni-Club in Bonn zu einer Podiumsdiskussion zur Klima- und Energiepolitik, zu der die Klima-Allianz eingeladen hatte. Leider nicht die Kandidaten der CDU und der FDP. Trotz intensiver Anstrengungen seitens der Veranstalter blieben deren Stühle leer. Damit ist Bonn kein Einzelfall, denn auch in anderen Städten zeigte sich, dass die mögliche schwarzen-gelbe Koalition sich lieber in der Rolle als Klima-Flüchtlinge sieht, als im demokratischen Wettstreit über eine zukunftsfähige Klimapolitik zu diskutieren. Dies ist ärgerlich, bedauerlich, aber auch im eigenen Interesse kurzsichtig. Repräsentative Befragungen zeigen nämlich, dass eine konsequente Klimapolitik für viele Menschen in Deutschland für ihre Wahlentscheidungen durchaus von erheblicher Bedeutung sind.

So haben am Mittwoch, den 09.September 2009 im vollbesetzten Uni-Club Ulrich Kelber (SPD), Katja Dörner (Grüne) und Paul Schäfer (Die Linke) von den Parteien sowie Christoph Bals (Germanwatch) und Josef Tumbrinck (NABU) ihre Meinung zur Klimadebatte vertreten. Die Absagen der nach langem Insistieren genannten Ersatzleute von CDU und FDP kamen Vorabend und am Morgen des laufenden Tages, so dass keine Zeit zum Reagieren blieb.

Aber was sind eigentlich die Gründe? Ist es Angst vor der politischen Debatte? Ist die Klima-Allianz schon so stark, dass man sie fürchtet? Oder ist es einfach ein eingeschränktes Demokratieverständnis?

Ein wenig mehr Kontroverse hätte der Debatte sicherlich gut getan. So debattierten die anwesenden rot-rot-grünen Gästen aus der Politik unter sich und mit den Referenten von Germanwatch und NABU. Nicht überraschend zeigte sich, dass sie einen weitgehenden Konsens haben bei der Umsetzung einer Energiewende und eine konsequente Klimapolitik für unerlässlich erachten. Das minderte aber nicht die Spannung, da sich dadurch Chancen für eine fachlich spannende Debatte über Kipp-Punkte im Klimawandel, die Vor- und Nachteile von Emissionshandel und Ökosteuer, die Zukunft der Kohle, ungenutzte Potentiale bei der Förderung der erneuerbaren Energien und die Suche nach den richtigen Verkehrskonzepten eröffneten.

Die Beteiligung aus dem Publikum war überaus engagiert und qualifiziert. Die sonst so häufig üblich langen Ko-Referate als Einleitung zu manch einfachen Frage blieben weitgehend aus. Die Tatsache, dass die Moderatorin die Veranstaltung um 22 Uhr trotz anhaltender Fragewünsche beenden musste, beweist, dass Klima- und Energiepolitik die Menschen beschäftigt und bewegt und damit durchaus auch wahlentscheidend sein kann.

Wer mehr Informationen zur Klimawahl 2009 will, der findet unter http://www.klimawahl2009.de viel Wissenswertes und auch eine kompakte Analyse der Wahlprogramme zur Klimapolitik http://www.klimawahl2009.de/fakten-analysen/wahlprogramme.

(Foto: Marco Barnebeck/pixelio.de)

Thema: Allgemein, Anpassung, Emissionsminderung, Klimagerechtigkeit, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Richard Brand

Time is running out

Montag, 17. August 2009 17:41

Countdown to CopenhagenIm Dezember 2009 wird in Kopenhagen der nächste “Weltklimagipfel” stattfinden. Die Kirchen beobachten und begleiten dieses politische Ereignis, das von herausragender Bedeutung für eine gerechte Gestaltung einer Weltpolitik in den kommenden Jahren sein wird. Sie treten zugleich offensiv für ein deutliches Umsteuern der Politik ein, die nachhaltiger, gerechter und zielstrebiger die Energiepolitik und alle damit zusammenhängenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen angeht.

In den kommenden Monaten werden hier von einem Team von “Brot für die Welt”, dem “Evangelischen Entwicklungsdienst (eed)” und der Nordelbischen Kirche  Beiträge zur aktuellen Entwicklung eingestellt. Schauen Sie auf jeden Fall wieder rein – es lohnt sich!Informationen und die Möglichkeit, sich an dem “Internationalen Aufruf der Kirchen für Klimagerechtigkeit” zu beteiligen erhalten Sie auch unter www.countdowntocopenhagen.de.

Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Thomas Schaack