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Tanz die Zukunft!

Sonntag, 13. Dezember 2009 12:06

Die Verhandlungen in Kopenhagen werden ereignisreicher. Einige Länder senden positive Signale für ambitionierte Verpflichtungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen. Sogar erste Zugeständnisse für die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländnern kommen auf den Tisch.

Doch auch wenn bei den Verhandlungen noch ein weiter Weg gegangen werden muss, ist schon zur Halbzeit sicher, dass die 15. Conference of the Parties (COP15) ein besonderer Gipfel ist. Diese Besonderheit ist aber (noch) nicht durch die Verhandlungen begründet, sondern durch das Umfeld, in dem sie stattfinden.

Ein Eisbär wandert durch das Konferenzzentrum und fordert Klimaschutz.

Ein Eisbär wandert durch das Konferenzzentrum und fordert Klimaschutz. (Foto: J. Küstner)

Die Verhandlungen werden nicht hinter hohen Zäunen fern ab der Öffentlichkeit geführt. Mehr als zwei Drittel der Konferenzteilnehmer, die in diesen Tagen das Bella Centre in Kopenhagen bevölkern, sind Beobachter und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. Und die beobachten nicht nur äußerst kritisch den Verlauf der Verhandlungen, sondern bringen auch eine lebhafte Kreativität in das Verhandlungszentrum, die man bei einer UN-Konferenz in diesem Maße nicht erwarten konnte. Wenn hier die verhandlungsführenden Delegationsmitglieder durch das Bella Centre gehen, begegnen sie mal einem Eisbären, der sie zum Klimaschutz auffordert. Dann werden sie von neongrünen Außerirdischen befragt, die das Kongresszentrum auf der Suche nach Klima-Vorreitern durchstreifen. Ein Stück weiter begegnen die Politiker menschlichen Uhren, die deutlich machen: “Es ist Zeit für Klimagerechtigkeit”.

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Kundgebung einer NRO im Bella Centre. (Foto: J. Küstner)

Sprechchöre von Jugendinitiativen, Kerzenmahnwachen und Menschenkreise, das alles gibt es nicht nur in der Innenstadt von Kopenhagen, sondern auch direkt im Bella Centre. Das Engagement der zivilgesellschaftlichen Bewegungen erreicht die politischen Verteter nicht nur in Form von Unterschriften und Stellungnahmen. Sie können während der gesamten Konferenz auch sehen und hören, was von Ihnen gefordert wird. Wenn sich eine Delegation trotz all dieser Orientierungshilfen und Motivationsunterstützungen in den Verhandlungen rückschrittlich und klimaschädlich verhält, hat sie gute Chancen am Abend öffentlich zum “Fossil des Tages” gekürt zu werden.

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Mit viel Kreativität wird eine lebendige Demonstration gestaltet. (Foto: J. Küstner)

Durch den Klimawandel wird die (demokratische) Gesellschaft vor zwei soziale Herausforderungen gestellt. Erstens muss sie Lust auf Veränderungen und Freude am Handeln entwickeln. Und zweitens muss sie politischer werden, um die Ausrichtung auf das Wohl der Allgemeinheit erkennen und artikulieren zu können. Die vielseitigen, kreativen Aktionsformen, die hier in Kopenhagen auf die Beine gestellt werden, schaffen beides. Sie verbinden Lebensfreude und Kreativität mit bewusster politischer Partizipation.

Auch die Demonstration, die am Sonnabend mit 30.000 (Polizeiangaben) bis 100.000 (Veranstalterschätzung) Beteiligten von der Innenstadt zum Bella Centre zog, war von kreativen, bunten und fröhlichen Protestformen geprägt. Etliche Clowns baten die Demonstranten, die Polizisten anzulächeln, damit sie sich “trotz ihres schwierigen Jobs schön fühlen”. Viele Gruppen machten Musik mit eigenen Instrumenten oder hatten Musikwagen. So hielten sich viele Demonstranten während des mehrstündigen Weges nach Sonnenuntergang warm, indem sie einfach ausgelassen und fröhlich tanzten.

Video: Auf der Demo wird getanzt!

Video: Auf der Demo wird getanzt! (Video: J. Küstner)

Bei der Klimakonferenz eine so starke, gut organisierte, gut gelaunte und kreative zivilgesellschaftliche Bewegung zu erleben, macht Mut, dass wir die Herausforderungen, die durch den notwendigen Umweltschutz sozial auf uns zukommen für eine positive gesellschaftliche Weiterentwicklung nutzen können. Mehrere Delegierte bestätigten, dass eine COP noch nie so offen, mit einer so großen Nähe zwischen Delegierten und Beobachtern war (morgens stehen Delegierte und Beobachter gemeinsam in der Schlange vorm Sicherheitscheck). Insofern macht es auch Hoffnung, dass zumindest die dänischen Gastgeber der Klimakonferenz scheinbar erkannt haben, dass man den Klimawandel nicht ohne und schon gar nicht gegen die Bürger verhandeln kann.

(Johannes Küstner)

Thema: Demonstration, Klimakonferenz | Kommentare (3) | Autor: Johannes Kuestner

Sankt Petri Kirche, die deutschsprachige Gemeinde in der Dänischen Volkskirche

Donnerstag, 10. Dezember 2009 8:00

St. Petri-Kirche in Kopenhagen

St. Petri-Kirche in Kopenhagen

Die Sankt Petri-Kirche in der Innenstadt von Kopenhagen ist eine besondere Gemeinde. Seit 1585 hat die deutsche Gemeinde hier die Möglichkeit, ihren lutherischen Gottesdienst in Deutsch zu feiern. 1994 gab die Gemeinde die Gebäude an den heutigen Souverän, das dänische Volk, zurück. In der Folge wurde die Kirche bis 2000 umfangreich renoviert.

Das Gebäudeensemble im Herzen der hektischen Hauptstadt ist auch während der Klimakonferenz ein Ort der Ruhe. Die dreiflügeligen Grabkapellen bergen in ihrer Mitte den so genannten Kräutergarten. Dieser historische Friedhof und der Kirchhof stellen heute eine grüne Oase dar. In den warmen Monaten wird der Kräutergarten für Kirchenkaffee und Sommerfest genutzt. Das ganze Jahr über wird der Kirchhof als Schulhof genutzt.

Das Gemeindeleben steht ganz im Zeichen der Begegnung von Deutschen und Dänen. Die Sankt Petri Schule ist so zweisprachig wie viele Taufen und Trauungen. Ein Großteil des Gemeindelebens kreist um junge Familien. Dadurch wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder seit 2006 von 500 auf 950 an. Zweites Standbein der Gemeinde ist die qualitativ hochwertige Kirchenmusik mit großer Kantorei, Musikgottesdiensten oder auch einmal einem Kindermusical.

Peter Rottach von „Brot für die Welt“ erläutert den Schülern der Petri-Schule die Klimaaustellung in der Kirche (Foto: Jan Christensen)

Peter Rottach von „Brot für die Welt“ erläutert den Schülern der Petri-Schule die Klimaaustellung in der Kirche (Foto: Jan Christensen)

Seit 2006 ist Hauptpastor Markus Löwe an der Sankt Petri Kirche tätig. Er erlebt das ständige „Abschied-nehmen-müssen“ als eine besondere Situation. Viele Gemeindemitglieder verlassen nach drei Jahren die Gemeinde, wenn ihr Unternehmen sie an irgendeinen anderen Ort auf der Welt versetzt. Für diese „globalen Arbeitsnomaden“ wird mit dem Reisesegen ein neues Ritual gefeiert.

Zur Klimakonferenz in Kopenhagen stellt die Sankt-Petri Kirche eine große Ausstellung von „Brot für die Welt“ aus. Sie zeigt anhand eines Modells, wie sich der Klimawandel heute schon in den Entwicklungsländern negativ auf das Leben der Menschen auswirkt. Wegen der Ausstellung hat die Kirche ausnahmsweise auch im Winter ganztägig geöffnet.

Jan Christensen

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Jan