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Ende des Countdown – der Gipfel in Kopenhagen kann beginnen

Montag, 7. Dezember 2009 9:14

Mehr und mehr Delegierte der Verhandlungsländer, Klimaaktivisten, und Presseleute strömten übers Wochenende in die Stadt. Der 15. Gipfel in Kopenhagen wird mit Abstand der größte Gipfel in der Geschichte der Klimapolitik. Es heißt, dass mehr als 25.000 Menschen sich angemeldet haben. Dies zeigt die hohe Bedeutung der Konferenz, bedeutet aber auch ein Problem, da das Konferenzzentrum Bella Center nur eine Kapazität für 15.000 Menschen hat. Es wird spannend zu erfahren, wie dies gelöst wird. Die Vorschläge reichen von der Schließung des Eingangs, wenn es voll ist, über eine Zugangskontrolle mit zusätzlichen Ausweisen bis zum zeitweisen Ausschluss von NRO-Beobachtern.

Beim traditionellen Strategie-Treffen des Climate Action Networks (CAN) am Vortag war es zwar voll wie noch nie, aber es gab kein Kapazitätsproblem. Um die ca. 400 Anwesenden aus aller Welt aufzunehmen, war aber schon der Audimax der Universität notwendig. Bei den Diskussionen auf dem Podium und im Saal, bei den Gesprächen im Flur, beim Austausch in den Arbeitsgruppen war die Besorgnis spürbar. Die Zeit drängt, es steht viel auf dem Spiel und die Ausgangslage am kurz vor Beginn des Gipfels ist alles Andere als günstig.

In einer Auftaktdiskussion gaben Kollegen und Kolleginnen aus unterschiedlichen Weltregionen ihre Einschätzungen zur Verhandlungsposition ihrer Landes oder Kontinentes ab. Ebenso ging es um eine Einschätzung der Aussichten des Gipfels. „Greenwashing“ wurde immer wieder genannt und befürchtet, ein unzureichendes Ergebnis wird als Erfolg verkauft. Aber auch andere Einschätzungen wie collapse (Zusammenbruch), delay (Verschiebung), mixed outcome (gute und schlechte Teilergebnisse) wurden genannt. Sogar von einem möglichen success (Erfolg) war die Rede. Das Übergewicht an negativen Begriffen zeigt, dass es große Befürchtungen gibt, dass die Ergebnisse von Kopenhagen nicht so sein werden wie gewünscht. Ob dies so sein wird, werden die nächsten zwei Wochen zeigen.

Trotz aller Skepsis war Aufbruchstimmung zu spüren, ein klimaaktivistisches „Yes – we can“. Es gelte, dass in Kopenhagen existierende Momentum einer einmaligen Konstellation zu nutzen. Seit zwei Jahren wird auf diesen Gipfel hinverhandelt, die Welt blickt auf Kopenhagen und fast hundert Regierungschefs haben ihr Kommen angekündigt. „Wir müssen die Regierungen weiter drängen, sie dürfen sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen, wir müssen das Momentum nutzen“, war das Credo einer Teilnehmerin, welches allgemeine Zustimmung fand. Die Zivilgesellschaft wird sich daher nicht damit begnügen, dass es nur, wie im Vorfeld schon häufig angedeutet, eine mehr oder minder umfangreiche politische Vereinbarung gibt in Kopenhagen. Es lohnt sich weiter dafür zu streiten, dass der Gipfel ein umfassendes und rechtlich verbindliches Klimaabkommen für die Zeit nach 2012 verabschiedet. Bis dahin gilt es zahlreiche Hindernisse zu überwinden, viele Schlupflöcher zu stopfen, weiter für Klimagerechtigkeit zu kämpfen, Fehlentwicklungen zu skandalisieren. Wie die Kirchen, EED und Brot für die Welt und ihre internationalen Partner dran bleiben und sich einbringen, davon versucht der Webblog, Eindrücke zu vermitteln.

Thema: Allgemein, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Richard Brand