Beitrags-Archiv für die Kategory 'Armut'

Aminur Rahman: grundsätzliche politische Korrekturen sind wichtig

Donnerstag, 17. Dezember 2009 20:00, Norbert Glaser

Aminur Rahman (Foto: Brot für die Welt)

Aminur Rahman (Foto: Brot für die Welt)

Die Arbeit von „Assistance for Slum Dwellers“ (ASD) zielt darauf ab, das Leben von Slumbewohnern zu verbessern, indem sie Zugang zu grundlegender Basisstruktur erhalten. ASD geht davon aus, dass der Zugang zu Bildung, Gesundheitsvorsorge, Ernährung und Einkommensmöglichkeiten die Situation der Slumbewohner verbessert.

Durch entsprechende Angebote / Programme in den genannten Bereichen versucht ASD seine Ziele zu erreichen. Für die Organisation arbeiten 133 Beschäftigte sowie zahlreiche Freiwillige, insgesamt bis zu 1000 Menschen.

Aminur Rahman hat Verwaltung studiert und ist heute für die Organisation im Bereich der Katastrophen- und Notfallhilfe zuständig. Außerdem koordiniert er die Aktivitäten des Emergency Cooperation Network (ECNET), einem losen Zusammenschluss von Partnern von „Brot für die Welt“ in Bangladesh.

In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, leben zurzeit etwa 13 Millionen Menschen. Bis 2015 rechnen Experten damit, dass diese Zahl auf 18 Millionen ansteigt. Die sich infolge des Klimawandels sich verschlechternde Lebensbedingungen auf dem Land und die Hoffnung auf eine besseres Leben in der Stadt fördern die Landflucht.

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Fragen an: Aminur Rahman

F: Was hat Ihre Arbeit mit dem Klimawandel zu tun?

A:. Experten rechnen damit, dass bis 2015 infolge des Klimawandels 15 Millionen Bangladeshi ihre Heimat verlassen müssen und anderswo eine neue Existenz aufbauen müssen. Dieser Prozess läuft bereits heute schon.

F: Wie können wir Bangladesh bei der Anpassung an die Klimaveränderungen unterstützen?

A: Wenn die globale Erwärmung in diesem Tempo weitergeht, wird ein Großteil unseres Landes 2100 unter Wasser stehen. Humanitäre Hilfe durch „Brot für die Welt“ ist nützlich, noch wichtiger sind grundsätzliche politische Korrekturen.

F: Was erwarten Sie von Kopenhagen?

A: Ich hoffe, dass wir möglichst schnell ein brauchbares Abkommen bekommen. Da ziehen die Zivilgesellschaft und unsere Regierung an einem Strang.

Thema: Anpassung, Armut | Kommentare (0) | Autor: Norbert Glaser

Nafisa Goga d’Souza: Konsumismus ist keine Option für die Zukunft

Mittwoch, 16. Dezember 2009 20:00, Norbert Glaser

Nafisa Goga d’Souza (Foto: Brot für die Welt)

Nafisa Goga d’Souza (Foto: Brot für die Welt)

Das Indian Network on Ethics and Climate Change (INECC) wurde Mitte der 1990er Jahre als loses Netzwerk von Organisationen gegründet, zu einer Zeit also, als das Thema noch keine große Rolle in der allgemeinen politischen Debatte spielte. Der wichtigsten indischen klimapolitischen Lobby gehören heute etwa 100 Mitglieder an.

INECC wurde gegründet, um das Thema Klimawandel und insbesondere dessen Folgen für lokale Gemeinschaften aufzuarbeiten, diese für die kommenden Probleme zu sensibilisieren und durch die Förderung von klimafreundlichen Technologien einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Die indische Menschenrechtlerin und Ökologin Nafisa Goga d’Souza arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der sozialen Arbeit und hat zusammen mit ihrem Mann 1996 das Laya Ressource Center gegründet, das sich vor allem der Arbeit mit den indischen Ureinwohnern verschrieben hat. Die Mutter zweier erwachsener Söhne und Muslima engagiert sich zudem stark im Bereich des Weltkirchenrates.

Indien war weltweit einer der ersten Staaten, der 1976 die Verpflichtung zum Umweltschutz in der Verfassung festschrieb. Bis zum Jahr 2020 will das Land den so genannte Emissionsfaktor um 20 bis 25 Prozent absenken, erklärte Umweltminister Jairam Ramesh Anfang Dezember vor dem Parlament in Neu Delhi.

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Brot für die Welt hat einige internationale Gäste aus Partnerprojekten nach Kopenhagen eingeladen, die wir hier in loser Folge vorstellen. Vor Ort können Pressetermine mit den Partnern verabredet werden. Wenden Sie sich dafür an Thomas Hirsch (Klimaexperte von Brot für die Welt), Mobil 0049 172 625 92 07, Norbert Glaser (Presse), 0049 178 / 824 05 11

Fragen an: Nafisa Goga d’Souza

F: Welche Folgen hat der Klimawandel für Indien?

A: In Indien bedrohen steigende Temperaturen die Lebensgrundlage von 600 Millionen Armen. Wenn die globale Erwärmung weiter geht, droht eine massive Verschärfung von Hunger und Armut, da die Getreideproduktion aufgrund der steigenden Temperaturen zurückgehen wird.

F: Was können die Deutschen tun, um Sie bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen?

A: Die Menschen sollten sensibler werden, hinsichtlich Ihres Verhaltens und was das für Folgen für Andere hat, insbesondere die Armen. Der heutige Lebensstil lässt sich nicht fortführen. Der Konsumismus ist keine Option für die Zukunft.

F: Was wird am Ende bei den Verhandlungen in Kopenhagen herauskommen?

A: Es wird so viel über leadership geredet. Bislang hat man davon bei Obama in der Klimapolitik noch nicht viel gesehen. Wir hoffen, er macht es besser als sein Vorgänger und schlägt einen anderen Weg ein.

Thema: Armut | Kommentare (0) | Autor: Norbert Glaser

Klimaflüchtlinge noch kaum im Blick

Mittwoch, 16. Dezember 2009 17:52, Johannes Kuestner

Der Klimawandel führt zu drastischen Umweltveränderungen. Durch die globale Erwärmung kommt es in vielen Gebieten der Welt, insbesondere in Asien zu einer erhöhten Anzahl verheerender Stürme und Überflutungen. Auch in Afrika nehmen Dürren, extreme Hitze und Überschwemmungen zu. Schon heute sind aufgrund dessen, viele Menschen gezwungen, ihren eigentlichen Lebensraum zu verlassen. (Besonders eindrückliche Beispiele unter www.climaterefugee.com)

Bei den UNFCCC Verhandlungen in Kopenhagen wird das allerdings kaum thematisiert. Die Debatte über klimabedingte Flucht und Migration und ihre Konsequenzen wird nicht öffentlich geführt. Einige wenige Veranstaltungen von UN-Organisationen und dem EU-Researchprojekt (EACH-FOR) schaffen es kaum, die Agenda zu beeinflussen.

Das liegt auch daran, dass es kaum verlässliche Daten über das zu erwartende Ausmaß dieser zukünftigen Wanderungsbewegungen gibt, die den Handlungsdruck auf die Vertragsparteien erhöhen können. Verschiedene Studien rechnen zwar bis zum Jahr 2050 mit zwischen 250 Millionen und einer halbe Milliarde Menschen, die sich den Klimaveränderungen nicht anpassen können und ihre Heimat verlassen werden, aber den Erhebungen liegt keine eindeutige Methode zugrunde. Wie können Menschen erfasst werden, die aufgrund eines Zyklons, wie Sidar in Bangladesh, nur unmittelbar aus dem Katastrophengebiet ziehen, nicht aber über Grenzen hinweg in einem anderen Land Zuflucht suchen? Noch drastischer zeigt sich das in Afrika. Kleinbauern, die aufgrund von Versalzung der Böden in das nächstgelegene, fruchtbarere Gebiet ziehen, finden nur sehr schwer Beachtung in Statistiken. Und gerade letztere würden sich selbst oft gar nicht als Klimamigranten bezeichnen, denn sie sehen sich gezwungen, umzusiedeln, weil sie kein Einkommen mehr für sich und ihre Familien erwirtschaften können, dass ihnen ein Überleben ermöglicht. Sie nennen sich dann Wirtschaftsmigranten. Oft ist auch nicht eindeutig, wann der Klimawandel für die Umweltveränderung oder wann bspw. industrielle Verschmutzung ursächlich sind.

Beispielhaft für die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels sind pazifische Inselstaaten oder Bangladesch, die im wahrsten Sinne des Wortes vom Untergang durch Meeresspiegelanstieg bedroht sind. Sie sind es auch, die bei COP 15 klar einfordern, dass erzwungene Flucht und Migration endlich adressiert werden. Begrüßenswert ist, dass klimabedingte Migration Eingang in die jetzt diskutierten Vertragsentwürfe gefunden hat und zwar erstmalig seit es die COP Verhandlungen gibt. Im Entwurfstext über Anpassungsmaßnahmen, ist  klar anerkannt, dass es durch Klimawandel bedingte Migration gibt und dass die Notwendigkeit besteht Wege zu finden, jenen, die davon betroffen sind zu helfen und auch Umsiedlungen als Anpassungsmaßnahme mitzudenken.

Noch sind viele Fragen offen. Kein Hinweis im Vertragsentwurf auf Instrumente, die jenen helfen würden, die betroffen sind und sein werden, geschweige denn, woher die Gelder dafür kommen. Wie soll identifiziert werden, welches die Länder sind, die Anpassungsleistungen für klimabedingte Migration in Anspruch nehmen können? Und wie kann sichergestellt werden, dass auch diejenigen, die am meisten durch Klimawandel gefährdet sind, geschützt werden und Anspruch auf Kompensationsleistungen erhalten? Und wie kann es gelingen, dass die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte garantiert werden, wenn ganze Bevölkerungen umgesiedelt werden?

Diesen Fragen kann und wird sich COP 15 noch nicht stellen, dafür ist die Debatte zu jung – Antworten werden noch lange diskutiert werden  – wichtig ist aber jetzt, dass am Ende von Kopenhagen ein rechtlich verbindliches Abkommen steht, in dem klimabedingte Migration anerkannt wird, in dem außerdem die CO2 Reduktionen genau festgeschrieben sind, das Verpflichtungen zu Anpassungsfinanzierungen (auch in ihrer Höhe) festschreibt und Staaten ein klares Commitment dafür abverlangt.

Morgen ist übrigens der internationale Tag des Migranten!

(Sophia Wirsching)

Thema: Anpassung, Armut | Kommentare (0) | Autor: Johannes Kuestner