Beitrags-Archiv für die Kategory 'Klimagerechtigkeit'

Das Ende der Welt, wie wir sie kannten.

Samstag, 19. Dezember 2009 15:00, Johannes Kuestner

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Die Verhandelnden haben in Kopenhagen eine historische Chance verschlafen. (Foto: Bulkacz)

Sonnabend, 19.12.2009, 14:33 Uhr. In Kopenhagen läuft gerade die letzte Plenarsitzung. Innerhalb der nächsten Stunden ist die Klimakonferenz beendet. Das Ergebnis: Ein katastrophales Politikversagen, das viele Menschenleben kostet. Die Orientierung auf kurzfristige wirtschaftliche Interessen, anstatt auf unsere Überlebensfähigkeit, hat zum Scheitern der Konferenz geführt. Mit der Kopenhagener Absichtserklärung wird die Begrenzung der Temperaturerhöhung um höchstens 2 Grad Celsius nicht erreicht. Die Absichtserklärung wurde nicht durch einen transparenten Verhandlungsprozess erarbeitet. Sie ist nicht fair, nicht ambitioniert und nicht rechtlich verbindlich. Insbesondere die Industrie- und Schwellenländer haben noch nicht verstanden, dass Inseln des Wohlstands in einem Meer des Elends nicht überleben werden.

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Außerirdische suchen auf der Konferenz vergeblich nach Vorbildern. (Foto: J. Küstner)

Wir können hoffen, dass dieser Schock die Welt aufrüttelt und dass im nächsten Jahr zielführend weiterverhandelt wird. Vielleicht wird Mexiko im Dezember 2010 bei der COP 16 ein besserer Gastgeber sein als Dänemark es war. Vielleicht wird es Mexiko besser gelingen, das gewachsene Misstrauen zwischen Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern durch einen transparenteren Prozess zu überwinden. Seit am Mittwoch immer wahrscheinlicher wurde, dass diese Klimakonferenz scheitert, begannen Beobachter über mögliche Veränderungen des Verhandlungsprozesses zu diskutieren. Doch das historische Politikversagen in Kopenhagen bedeutet nicht nur, dass das Verhandlungsprozedere verbessert werden muss. Es zeigt auch an, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass die Lösungen für unsere Überlebensfragen von der Politik kommen werden.

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Eine Mutter demonstriert in Kopenhagen für ihr Kind. (Foto: J.Küstner)

Der Klimawandel führt zum „Ende der Welt, wie wir sie kannten“ (vgl. Welzer & Leggewie, 2009). Unsere Art zu leben wird sich deutlich verändern. Energieverschwendung und materiellen Überfluss wird es in der neuen Welt so nicht mehr geben. Doch auch die Demokratie wird sich dadurch verändern. In Kopenhagen haben Politiker immer wieder auf die entscheidende Rolle der Wirtschaft für den Aufbau einer Niedrig-Emissions-Gesellschaft hingewiesen. Die Bedeutung der Unternehmen ist nicht von der Hand zu weisen. Aber dafür, dass die Politik den Unternehmen endlich Leitplanken setzt, die einen solchen Umbau ermöglichen und dafür, dass die notwendigen Veränderungen sozial gerecht gestaltet werden, braucht es vor allem eine Demokratisierung unserer Gesellschaft. Die Zivilgesellschaft kann durch eine Politisierung von persönlichem Engagement, Lösungen hervorbringen und Druck aufbauen, damit auch Akteure in Politik und Wirtschaft ihre erforderliche Verantwortung für den Wandel übernehmen.

Bereits im vergangenen Jahr haben „Brot für die Welt“, der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und der BUND die notwendige gesellschaftliche Debatte für einen Kurswechsel auf Zukunftsfähigkeit angestoßen (www.zukunftsfaehiges-deutschland.de). Zahlreiche Initiativen, Verbände und nicht zuletzt die evangelische Kirche in Deutschland haben diese Debatte aufgegriffen und sind auf dem Weg, selbst Akteure des Wandels zu werden. In dem Projekt „Zukunft fair teilen“ gibt es umfangreiche Unterstützungen und Anregungen für diesen Weg: Wir können unsere christliche Verantwortung, Gottes gute Schöpfung zu bewahren, Wirklichkeit werden lassen. Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben. Gehen Sie mit! Desmond Tutu hat es aus christlicher Perspektive in Kopenhagen klar gemacht: „Gott kann diese Welt retten. Ja, Gott kann auch das Klima schützen. Aber er will, dass wir dabei mitarbeiten.“Zukunft

Desmond Tutu predigte Hoffnung: „Wir sind in Südafrika marschiert und haben die Apartheid überwunden. Wir sind in Berlin marschiert und haben die Mauer zu Fall gebracht. Wir marschieren in Kopenhagen und erreichen Klimagerechtigkeit!“ In Kopenhagen ist es noch nicht gelungen. Dafür muss der Marsch noch größer werden. Nicht unbedingt auf der nächsten Klimakonferenz, sondern vor allem in unseren eigenen Ländern. Hier müssen wir Veränderungen anstoßen. Und das braucht die Beteiligung aller. Wenn bei Demonstrationen für die Bewahrung der Schöpfung nicht nur Tausende, sondern Millionen auf die Straße gehen, dann bringen wir auch die Mauer der Klimaungerechtigkeit zu Fall.

Wer glaubt, er sei zu klein, um etwas zu bewegen, hat noch nie eine Nacht mit einer Mücke verbracht. Für ein zukunftsfähiges Deutschland und Klimagerechtigkeit brauchen wir einen Mückenschwarm.

Johannes Küstner

Thema: Allgemein, Demonstration, Klimagerechtigkeit, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Johannes Kuestner

Christian Aid: Das fehlerhafte Ergebnis des Gipfels wird Menschenleben kosten

Samstag, 19. Dezember 2009 0:50, Thomas Schaack

(Foto: Sarah Spinney/Aprodev)

(Foto: Sarah Spinney/Aprodev)

Die Armen in den Entwicklungsländern werden mit ihrem Leben bezahlen für die brutale Taktik und Unnachgiebigkeit der reichen Länder, die heute zu dem sehr schwachen Ergebnis des entscheidenden Klimawandel-Gipfels in Kopenhagen führte, warnt Christian Aid.

„Die Statements, die heute von Präsident Obama kamen, nachdem er zum Gipfel dazugekommen war, waren nur ein Schatten dessen, was hätte erreicht werden können und müssen“, meinte der für Klimafragen zuständige Referent Nelson Muffuh.

„Bereits heute sterben jährlich 300.000 Menschen an den Folgen des Klimawandels, die meisten von ihnen in Entwicklungsländern. Der Mangel an gutem Willen, den diese Länder in Kopenhagen an den Tag legten bedeutet, dass diese Zahl wachsen wird.

Die reichen Länder griffen zu brutalen Taktiken und Unnachgiebigkeit, um sich vor ihrer Verantwortung zu drücken. Das Statement einer unangemessen politischen Absicht ist nicht der faire, ambitionierte und rechtlich verbindliche Vertrag, der benötigt wird. Es bedeutet einen Rückschlag im Kampf für Klimagerechtigkeit – aber der Kampf geht weiter! Christian Aid hatte gehofft, Präsident Obama würde kommen, um Angebote für die Welt zu überbringen, aber alles, was wir erhielten, waren leere Worte.

Mr. Muffuh erklärte, die USA, die Europäische Union und andere entwickelte Staaten sähen sich einem moralischen Imperativ gegenüber, die Gespräche sobald wie möglich neu zu beginnen mit der Absicht, den folgenden Punkten zuzustimmen:

  • Mindestens 40% Senkung der Kohlenstoffemissionen durch die reichen Staaten bis 2020 auf der Basis von 1990.
  • Jährlich mindestens 150 Milliarden Dollar öffentliche Gelder von den reichen Staaten für die armen Staaten, um der globalen Erwärmung entgegenzutreten.

„Die reichen Staaten haben in Kopenhagen zu wenig auf den Tisch gelegt“, sagte Mr. Muffuh. „Eine Gelegenheit, den armen Ländern eine Hoffnung zu geben, ist großzügig vertan worden“.

Die historische Verantwortung für den Großteil der Treibhausgase, die die globale Erwärmung verursachen, liegt bei den industrialisierten Ländern. Aber es sind die armen Ländern, die am schlimmsten leiden an den Folgen von Dürren, Überschwemmungen, Taifunen und dem vermehrten Vorkommen von Krankheiten, die ein Ergebnis des Klimawandels sind.

Muffuh fügte ferner hinzu, dass es im Ablauf der Konferenz einen beunruhigenden Mangel an Transparenz gegeben habe. Ärmere Länder hätten durchweg beklagt, dass ihre Anliegen weder gehört noch in Betracht gezogen worden seien.

Der Gipfel, so meinte er, sei charakterisiert gewesen von einem Misstrauen zwischen den reichen und den armen Ländern, aber auch zwischen den reichen Ländern und den aufstrebenden Ökonomien.

Es sei wichtig, dass in den kommenden Monaten die entwickelten Länder eine Reihe von Vertrauen bildenden Maßnahmen anregten, was auch bedeute, sich schnell um kurzfristige Finanzierung für Entwicklungsländer zu kümmern und zuhause politische Entscheidungen zu treffen, um Minderungsmaßnahmen zu fördern. Nur so könnten die Verhandlungen weitergehen.

Christian Aid
(Übersetzung: Thomas Schaack)

Thema: Allgemein, Finanzierung, Klimagerechtigkeit | Kommentare (0) | Autor: Thomas Schaack

Sind wir es nicht wert?

Donnerstag, 17. Dezember 2009 19:02, Johannes Kuestner

Plakat von tcktcktck und Greenpeace - wenn Sie das Bild klicken, sehen Sie alle Plakate dieser Reihe

Plakat von tcktcktck und Greenpeace - wenn Sie das Bild klicken, sehen Sie alle Plakate dieser Reihe

Der Film „The Age of Stupid“ (Das Zeitalter der Dummheit) schaut aus der Perspektive des Jahres 2055 auf die Gegenwart zurück. Einer der wenigen noch lebenden Menschen sammelt im „Weltarchiv“ Dokumentationen, Kurzreportagen und Nachrichtenbeiträge aus unserer Gegenwart zusammen. Sein Motiv: Er versucht zu rekonstruieren, warum es der Menschheit nicht gelungen ist, die Klimakatastrophe zu verhindern, obwohl sie um die Gefahr wusste. Nachdem er einige  Bemühungen für den Klimaschutz, aber noch mehr Ignoranz und Handlungsunwillen beobachtet hat, resümiert er und stellt sich selbst eine tiefgründige Frage: Wir kannten die Gefahr und wir wussten, was zu tun ist. Trotzdem haben wir uns nicht gerettet. Lag es vielleicht daran, dass wir uns nicht sicher waren, ob wir es wert sind, gerettet zu werden?

Die Gefahr ist real. Unsere Politiker, die morgen eine Vereinbarung zur Verhinderung der Klimakatastrophe erreichen sollen, haben einen klaren Auftrag. Sie sollen sich darauf einigen, wie wir den Erhalt der Lebensgrundlagen auf diesem Planeten sichern können. Bereits gegenwärtig kostet der Klimawandel jährlich 300.000 Menschenleben. Ökonomische Schäden von 125 Milliarden Dollar jährlich resultieren aus den klimatischen Veränderungen. Und das bereits heute, obwohl die Veränderung der ökologischen Rahmenbedingungen noch sehr gering ist im Vergleich zu dem, was uns erwartet, wenn wir nicht jetzt mit voller Entschlossenheit handeln.

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Inselstaaten werden als erste untergehen. (Foto: J.Küstner)

Doch trotz der großen Anzahl an Willensbekundungen, die in Kopenhagen heute zu hören sind, wird im Hintergrund gefeilscht, gepokert und geschachert. Niemand will unter Umständen ein kleines bisschen mehr bezahlen als die anderen, selbst wenn dadurch die Katastrophe abwendbar wäre. Alle handeln falsch, weil die anderen ja schließlich auch falsch handeln. Soldaten, die nach dem Krieg über ihre Verbrechen nachdenken, argumentieren häufig: „Ich wusste schon irgendwie, dass es falsch war. Aber es haben doch alle so gehandelt. Hätte ich als einziger das Richtige tun sollen?

Zugegeben: Die EU hat nicht das schlechteste Angebot auf den Tisch gelegt. Aber sie darf sich deshalb nicht zurücklehnen und warten, dass die anderen ihre Angebote verbessern, bereit die Schuld am Scheitern dann eben notfalls den anderen zu geben. Die deutsche Delegation sagt: „Klimaschutz funktioniert nur, wenn alle mitmachen.“ Das stimmt. Aber dann ist es an uns, alles dafür zu tun, damit alle mitmachen.  Was uns lähmt, ist die Orientierung an den Unwilligen. Was wir brauchen, ist ein Wettstreit, um die schnellste Reduzierung der Treibhausgasemissionen.

Die EU hat noch Handlungsspielraum, sowohl bei den Reduktionszielen als auch bei den finanziellen und technologischen Unterstützungen. Wenn die Verhandlung sich nicht bewegt, muss die EU ihren Handlungsspielraum nutzen und verbunden mit konkreten Forderungen mehr auf den Tisch legen.

Wir sind nicht auf dem Marktplatz, wo wir uns im Zweifel dafür entscheiden können, das Huhn halt nicht zu kaufen. Wir brauchen ein faires, ambitioniertes und verbindliches Abkommen. Die Alternativen sind nicht akzeptabel. Eine ungewisse Verzögerung der Einigung ohne klare Weichenstellung kostet uns wertvolle Zeit, was bedeutet, dass die Schäden und die Kosten deutlich steigen. Ein Kollaps der Verhandlung wäre ein politischer Gesichtsverlust für alle Beteiligten.  Fast noch gefährlicher wäre aber ein politisches Statement, das keinen zügigen Weg zu konkreten Ergebnissen weist, von den Politikern aber dennoch als Erfolg verkauft wird (Greenwashing).

193 Delegationen sind in Kopenhagen in der Verhandlung. Über 100 Umweltminister und über 100 Regierungschefs beteiligen sich an der Klimakonferenz. Es liegt in ihren Händen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute in ihrer Ansprache dazu aufgerufen, in den verbliebenen Stunden kooperativ am gemeinsamen Ziel zu arbeiten. „Es ist hier für uns alle die Aufgabe zu zeigen: Die Welt arbeitet zusammen.“ Wir wünschen ihr für die Verhandlungen – in denen heute Abend auch die europäischen Regierungschefs noch einmal zusammensitzen – Erfolg und fordern sie auf, alles dafür zu tun. Wenn die Menschheit in Kopenhagen beweist, dass sie nicht in der Lage ist, für die globalen Herausforderungen gemeinsame Lösungen zu finden, dann stellt das nicht nur die Funktionsfähigkeit unserer politischen Systeme in Frage. Es bedeutet auch, dass die Alternative zu einem kooperativ und friedlich gesteuerten Zusammenleben eine friedlose Welt ist, in der die Mächtigen die letzten Ressourcen plündern und alle Menschen unter den gewaltigen ökologischen Folgen leiden. Wenn unsere Bundeskanzlerin am Ende des Gipfels verkünden muss, dass es leider kein erfolgversprechendes Ergebnis gab und sie mit dem Finger auf andere zeigt, kann das von niemandem akzeptiert werden.

(Johannes Küstner)

Thema: Allgemein, Demonstration, Emissionsminderung, Finanzierung, Klimagerechtigkeit, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Johannes Kuestner

Wer ist klimafreundlicher? Monsanto oder die Biokuh Elsa?

Mittwoch, 16. Dezember 2009 17:39, Johannes Kuestner

Landwirtschaftliche Flächen - Lebensmittel- und Energielieferant sowie CO2-Speicher (Foto: Thomas Schaack)

Landwirtschaftliche Flächen - Lebensmittel- und Energielieferant sowie CO2-Speicher (Foto: Thomas Schaack)

Zur Zeit wird vor allem der negative Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel thematisiert. Insbesondere die Tierhaltung und an ihrer Spitze die Rinderhaltung und die damit verbundenen Methanemissionen stehen im Brennpunkt der Kritik. Auffallend ist dabei, wie wenig differenziert die Debatte ist. Dies ist auch in Kopenhagen zu beobachten. Auch dort wird vermittelt, dass der Verzehr von Fleisch einer der größten klimapolitischen Sünden ist und der Super-GAU des persönlichen Essverhaltens.

Dabei wird überhaupt nicht thematisiert, welche Art von Tierhaltung und Agrarwirtschaft klimaschädlicher ist. Es wird zum Beispiel nicht unterschieden zwischen der intensiven Rindermast in Texas mit Bewässerungslandwirtschaft und der Haltung von Rindern bei Nomaden in den weiten Steppen der Mongolei oder in Ostafrika, die ökologisch wertvolle Weideflächen nutzen, die für den Ackerbau völlig ungeeignet sind. Oder soll die Geflügel- und Schweinemast in den Niederlanden oder in Niedersachsen, die nur mit dem Import riesiger Mengen an Eiweißfuttermitteln aus Südamerika einhergeht und für die riesige wertvolle Savannen und Regenwaldflächen geopfert werden, klimafreundlicher sein als die Hühnerhaltung mit einheimischen Futtermitteln aus dem ökologischen Landbau?

Es werden Äpfel und Birnen verglichen. Für eine seriöse Debatte ist wichtig, dass der gesamte Produktionszyklus mit all den eingesetzten Produktionsmitteln betrachtet wird – vom Treibstoff, erdölbasiertem Stickstoffdünger bis hin zum abgeholzten Regenwald für Sojaplantagen. Und dieses Denken in Produktionszyklen und Kreisläufen zeigt uns zum Beispiel, entgegen den Behauptungen vieler Agrarwissenschaftler, dass die Milch der 5000-Liter-Kuh Elsa, die auf einem Biobauernhof lebt und im Sommer auf die Weide darf, klimafreundlicher erzeugt wird als die Milch einer 10000-Liter-Kuh mit einem hohen Einsatz an Soja und Getreide.

Auch bei der Klimakonferenz und gerade bei den Lösungsansätzen zur Vermeidung des Anstiegs von Treibhausgasen zeigt sich einerseits die gesamte Komplexität der Materie und andererseits die Begrenztheit einfacher Lösungen. Bei dem Besuch von zwei Side-Events innerhalb von einer Stunde gestern im Bella Center wurde dies deutlich.

So berichtete ein Vertreter des internationalen Verbands der biologischen Landbauverbände IFOAM sehr differenziert, welche Beiträge der ökologische Landbau zur Lösung der Welternährungsproblematik und zur Treibhausgasreduzierung und Sequestrierung leisten kann. Je ausgefeilter die Praxis des ökologischen Landbaus ist, umso höher ist der Beitrag des ökologischen Landbaus zum Klimaschutz einzuordnen.

Und auf der anderen Seite versuchen einige Staaten auf der Klimakonferenz ein plumpes Greenwashing. Sie wollen, dass die Flächen, die zuvor für den Soja -und Palmölanbau gerodet wurden als Treibhausgassenken anerkannt werden. In dieses Bild passt auch, dass nicht nur Staaten sondern auch berühmte transnationale Konzerne versuchen, auf den klimafreundlichen Zug aufzuspringen.

Die Kopenhagener Meerjungfrau - im Original relativ unverbittert ... (Foto: Andreas Köckeritz/pixelio.de)

Die Kopenhagener Meerjungfrau - im Original relativ unverbittert ... (Foto: Andreas Köckeritz/pixelio.de)

Monsanto möchte seine gentechnisch veränderten Sojasorten als eine Lösung für den Klimaschutz anbieten und propagiert für Südamerika die Ausdehnung des Anbaus von gentechnisch veränderter Soja, um Biodiesel herzustellen. Dabei hat gerade dort die Ausdehnung des Sojaanbaus zu einer starken Vernichtung von natürlichen Flächen und zu Erhöhung der Treibhausgasemissionen beigetragen. Dies alles versucht Monsanto mit Hilfe des „Round Table on Responsible Soy“ als besonders nachhaltig zu verkaufen.

Für dieses Verhalten hat Monsanto gestern in einer Pressekonferenz von Friends of the Earth International und Attac Dänemark den ersten Preis der „verbitterten“ Meerjungfrau von Kopenhagen bekommen. 2. Sieger wurde übrigens der Ölkonzern Shell, auch einschlägig bekannt für eine “nachhaltige” Erdölförderung. Urteilen sie nun selber, wer klimafreundlicher ist: die Kuh Elsa oder Monsanto.

(Dr. Bernhard Walter)

Thema: Allgemein, Energie, Klimagerechtigkeit, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Johannes Kuestner

Excluding people and voices from an unfair deal

Dienstag, 15. Dezember 2009 17:17, Richard Brand

Blogbeitrag von Sunita Narain (Centre for Science and Environment) Neu Delhi, Indien. CSE ist ein Partner des Evangelischen Entwicklungsdienstes. Ein Medienteam von CSE berichtet regelmäßig über die Klimakonferenz in Kopenhagen auf der Website: Equitywatch

Countdown to Copenhagen-Demonstranten (Foto: DanChurchAid)

Countdown to Copenhagen-Demonstranten (Foto: DanChurchAid)

The Copenhagen conference will definitely go down as the worst meeting in global climate negotiations. There is a complete mess here: lines of people standing outside the Bella Centre, where the conference is taking place, wanting to get in. Inside the meeting has broken down for the umpteenth time because industrialized countries refuse to commit to cutting emissions. Instead they want the global climate agreement changed, so that they do less and developing countries do more. The clock is ticking to Friday, when heads of state will descend to sign the ‘historical accord’. But on freezing Monday there was no sign of the paper they would agree to sign, no agreement and the chaos inside and outside was horrendous.

I with a group of media colleagues was in the crowd on this Monday. Not inside but outside, in the freezing cold. We stood for over 8 hours, waiting to register but as the hours passed by the line stopped moving ahead. But nobody came out and explained. Nobody moved in the line either. They did not know how long they would have to stand tomorrow, if they gave up their place today. Complete stalemate, much like the talks happening inside.

It was said that the cameras used in the elaborate security clearance of the UN meet had broken down. Things were slow because everybody had to be cleared manually. Others said that the conference hall had no place. It was full. But nobody could explain, why, the Danish government and the UN climate secretariat had given online registration to people. They knew how many they had registered. They knew then how many would come to Copenhagen. So, why this mess? Just incompetence or is there more to it.

The fact is that some 40,000 people have come to this freezing city not for a party. But to be part of the event that they believe is important for the future of the world. Climate change impacts their lives. They want to be here to listen, to cajole and to protest as governments prevaricate on the issues that concern their lives.
They come also because climate change is real, it is urgent and there is overwhelming interest on this matter. So, why did the Danish government, which has had a minister for climate change, Connie Hedegaard, running across the world whipping up this interest, failed to plan for the people it invited?

The reason it seems that the Danish government would want to run the climate change conference, without messy numbers of people and without messy consultations, which involve all countries. So, Connie Hedegaard’s job was to select carefully the few friendly governments and even friendlier ministers (including ours) who could be consulted in closed door meetings to arrive at a ‘consensus’ paper, which would be presented to all other governments at the climate conference.

This is the ‘infamous’ Danish proposal, which has revealed last week and created a huge uproar. For two reasons: one, most governments not part of the Danish-club were angry at the process, which was not consultative or transparent. Two, the paper changed the very framework of the climate agreement – from one based on equity and burden sharing to one which would give the biggest polluters, namely US, Australia and Canada, a cop-out. But even now, after the Danish proposal was rejected it is still surfacing.

On Monday, talks broke down because the chair of the conference wanted to speed up the discussions under the Long Term Cooperative Action (LCA), which includes elements of the Danish paper, to create a single-treaty for developed and developing countries. The African group objected saying that it needed the process under Kyoto Protocol (KP) to be discussed, as this is where the numbers of how much the industrialized countries will cut will be put on the table. In frustration and anger they walked out. Talks were suspended. African nations said in no uncertain terms that they wanted a fair deal: A deal to save them and the planet. Now, after some compromise, talks are beginning again. But nobody believes that there has been an agreement.

Klimademonstrantin in Kopenhagen (Foto: DanChurchAid)

Klimademonstrantin in Kopenhagen (Foto: DanChurchAid)

But this is not about what happens inside closed doors, where men (and it is largely men) in suits fight over commas, full-stops and brackets (in UN-parlance, all disagreements are put in brackets). Climate change is about people. It is about how it is affecting lives of millions already, through more variable monsoons, intensification of tropical cyclones or disappearing lands in the sea. People want to be included in the process. They want that there is a human face on the numbers of the climate change catastrophe.

That is what Copenhagen is about. That is why people stood outside in the bitter cold, unfazed by the callousness of the Danish hosts of the conference or the rudeness of the country’s police. They want and demand more. Let’s see if the next few days will get them closer to a fair deal. Let’s see.

entnommen aus: India Environmental Portal

Thema: Allgemein, Klimagerechtigkeit, Klimakonferenz | Kommentare (0) | Autor: Richard Brand

Und Gott beginnt zu lächeln

Montag, 14. Dezember 2009 0:26, Eckhard Roehm

Desmond Tutu auf der Countdown-to-Copenhagen-Bühne in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Desmond Tutu auf der Countdown-to-Copenhagen-Bühne in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Es war ausgesprochen kalt am Morgen des 13. Dezember, als wir uns mit dem Team von “Brot für die Welt”, EED und der nordelbischen Kirche zum Kopenhagener Rathausplatz aufmachten, um bei der Übergabe von über 512.894 Unterschriften des Countdowns to Copenhagen dabei zu sein. 

Beim Teammeeting am Morgen sind wir die Entwicklung der letzten Tage kurz im Überblick durchgegangen. Trotz ermutigender Zugeständnisse ist doch manchmal nicht wirklich erkennbar, ob es wirklich allen Verhandlern darum geht, entschiedene Maßnahmen zur massiven Reduzierung der CO2-Emissionen zu treffen, oder ob es eher ums Taktieren geht und darum, wie sich manche Länder so geschickt wie möglich aus der Affäre ziehen. Entsprechend sind auch unsere Gespräche auf dem Weg vom Hotel zum Event: Meine Güte, wir wissen doch alle, was zu tun ist, und auch die meisten Verhandlungsführer wissen, was auf dem Spiel steht, und sagen auch, dass sie es wissen. Warum passiert dennoch so wenig?

Schließlich kommen wir auf dem Rathausplatz an, wo es bereits brechend voll ist und das Frieren und die zweifelnden Gedanken des Morgens sind irgendwie nicht mehr präsent. Es herrscht eine Bombenstimmung. Verschiedene katholische und evangelische Hilfswerke aus Europa haben im großen Stil Basis mobilisiert. Menschen aus aller Herren Länder, vor allem unheimlich viele junge Leute, werden von der Bühne aus fulminant begrüßt und willkommen geheißen.

Zeugnisse von Schwestern und Brüdern aus Bolivien, aus Indien, aus Äthiopien, aus Kamerun und aus Norwegen machen einmal mehr deutlich, dass es beim Klimawandel nicht um irgendwelche komischen Kapriolen geht, die das Wetter schlägt und die man sich befremdet und distanziert, aber unbeteiligt anschaut.

Sondern hier geht es schlicht um die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Menschen, denen wegen massiven  Gletscherschwundes das Wasser ausgeht, Menschen in Indien, deren Hab und Gut, deren Ernte massiven Fluten zum Opfer fällt, Menschen die an immer größerer Trockenheit leiden oder auch Menschen, deren Fischgründe aufgrund der Meereserwärmung verschwinden.

Aber trotz dieser düsteren Aussichten ist die Stimmung auf dem Rathausplatz alles andere als düster und depressiv. Vielmehr wird von der Bühne verkündet: Es ist wichtig, dass ihr da seid. Und ihr wisst, was ihr zu tun habt? Und ihr werdet euren Regierungen Druck machen, damit sie ein weitgehendes und rechtlich bindendes Abkommen schließen, das hilft, den Temperaturanstieg auf 2 Grad zu begrenzen? Worauf ein „Yeah!!“ über den Platz tost.

Augustina Njamnshi aus Kamerun sagt: Lasst uns hier in Kopenhagen Geschichte schreiben, damit wir hinterher sagen können: Wir haben die Welt verändert.

Desmond Tutu bei seiner Rede in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Desmond Tutu bei seiner Rede in Kopenhagen (Foto: Christian Aid/Matt Gonzalez-Noda)

Auch Erzbischof Desmond Tutu macht deutlich, wie wichtig in dem Prozess wir alle sind. Dieser mit seinen 78 Jahren unglaublich agile und charismatische Mann hält eine fesselnde Mischung aus Predigt, Bühnenshow und Tanz.

Er erinnert daran, dass Menschen auf den Straßen das Apartheidsregime haben verschwinden lassen.
Er erinnert daran, dass Menschen auf den Straßen die Berliner Mauer zu Fall gebracht haben.

Er fragt: Glaubt ihr, dass ihr das Recht auf eurer Seite habt?
Yeah!!!
tost es über den Platz.
Glaubt dass ihr Gerechtigkeit auf eurer Seite habt? Yeah!!!
Glaubt ihr, dass ihr Gott auf eurer Seite habt? Yeah?
Ja
, sagt Tutu, Gott ist auf unserer Seite, komm schon Gott, tu was! Aber Gott sagt: Ich möchte, dass IHR meine Partner seid und EUCH einsetzt!
Und Tutu fährt fort: Wie ist das denn bei Gott? Wenn Gott herunterschaut und Gaza sieht, dann weint er, wenn er Darfur sieht, dann weint er, wenn er Simbabwe sieht, dann weint er, wenn er Afghanistan sieht, dann weint er. Aber dann, dann sieht er auf einmal Kopenhagen, und er sieht euch alle, wie ihr euch einsetzt, und dann kommt wieder ein Lächeln auf Gottes Gesicht, und Gott freut sich über euch alle, und ein kleiner Engel kommt und wischt Gottes Tränen ab.

512.894 Unterschriften sind gesammelt worden.  Die sechs Ziffern dieser Zahl sind auf je einen großen roten Ball gedruckt, die Bälle werden dann zunächst durch die Menge auf dem Platz gegeben und auf der anderen Seite, gegenüber der Bühne auf sechs Säulen gesetzt.

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Desmond Tutu tanzt mit Outlandish. Zum Abspielen klicken. (Video: J. Küstner)

Erzbischof Tutu überreicht dann symbolisch die Unterschriften an Generalsekretär Yvo de Boer. Dieser spricht davon, dass wir derzeit wohl eine finanzielle und eine ökonomische Krise haben mögen, aber das eigentliche Problem, das uns an der Durchsetzung eines wirksamen Klimaschutzabkommens hindert, ist eine moralische Krise.
Und er schließt: Ihr müsst euren Regierenden deutlich sagen, was für ein Klimaabkommen ihr haben wollt. Das ist unsere einzige Chance.

Dann rief die Menge „Yes, we can!“ und weiter ging es mit Musik der Band „Outlandish“, der Platz ging allmählich in Tanz über, wie auch Tutu auf der Bühne.

So kann Engagement für den Klimawandel Spaß machen, Danke an die vielen, vielen überwiegend Jugendlichen  aus ganz Europa! Wer noch immer pauschal sagt, Jugendliche seien unpolitisch, weiß nicht wovon er spricht.

(Eckhard Röhm)

Ein Video von der Überreichung der Stimmen durch Desmond Tutu an Yvo de Boer gibt’s hier zu sehen:

Thema: Allgemein, Demonstration, Klimagerechtigkeit | Kommentare (0) | Autor: Eckhard Roehm